Montag, 30. April 2018

Oh Fortuna

O Fortuna velut luna statu variabilis (wie der Mond dort oben, so veränderlich bist Du)

Vielleicht war es auch der falsche Name? Denn nicht die Glücksgöttin Fortuna stand Pate bei der Namensgebung, sondern ein Pferdefuhrwerk fiel den Gründern ins Auge. Und dort prangte in dicken Lettern die Aufschrift „Brotfabrik Fortuna“. Ein Broterwerb also, keine Göttin und die Botschaft kam aus Flingern. Flingern ist Düsseldorfs Aschenputtel, der Hinterhof des Glücks.

Glück und Glas - wie leicht bricht das?

Sechs Mal Abstieg, sechs Mal Aufstieg, 1933 Deutscher Meister, 1979 und 1980 Deutscher Pokalsieger, 1979 Vize-Meister im Europa-Pokal, aber auch immer wieder Abstieg bis zu den Amateuren.
Aber nun ist alles Schlimme vergessen, jetzt singen wir wieder, jetzt tanzen wir auf den Straßen, jetzt feiern wir drei Wochen lang. So schön kann Fußball sein: Samstag 29.April 2018 in der 90. Minute:

"Tor, Tor, Tor!"

Schon einmal und gewaltiger erscholl dieser Ruf, fast am selben Tag, dem 30. April 1954. Im Tor stand die Fortuna "Toni, Du bist ein Fußballgott!". Toni Turek verkörperte damals den Neuanfang der jungen Republik. Aus den Kellerkindern wurden die Erwachsenen des Wirtschaftswunders, gerade auch in Düsseldorf. Beim VW Käfer löste ein mordsschickes Oval am Heck das Brezelfenster ab.

Die Fortuna waren nicht mehr die Arbeiter Jonges aus dem Flinger Broich, die mit Stolz gegen die feinen "Lackschuhpinkel" vom Zoo gekämpft hatten. "Turnverein Flingern" hießen sie ganz am Anfang, denn Fußball war als "Englische Krankheit, als "Fußlümmelei" verpönt. Doch der Amtsrichter Emil Hartwich forderte: "Werft den Fußball auf den Turnplatz!"

Und dann kamen sie, die "Fußlümmel" vom Flinger Sumpf: die Paul Janes, Matthes Mauritz, Erich Juskowiak, "Knöd" Jakob Bender, Stanislaus Kobierski, Jupp Derwall, die Allofs Brüder, Gerd Zewe… Und die Fans sangen: "Wenn der Janes und der Knöd, hütt noch Fußball spele döt".
Ja, sie sind wieder da, der Janes und der Knöd und sie spielen wieder…

Oh Fortuna!

Autor: Dieter Jäger | Redaktion: Bruno Reble | © www.geschichtswerkstatt-duesseldorf.de

Mittwoch, 14. Februar 2018

Viel Gedöns um nackten Sex in Düsseldorf

Zwei alt-ehrwürdige Einrichtungen sind in Verruf geraten: der Henkelsaal und die Bezirksregierung. Worum geht‘s? 

Der Henkelsaal sah „Sex auf der Bühne“

Die „Närrischen Schmetterlinge" haben‘s wieder getan. Im berühmten Henkelsaal gab es Striptease auf hohen Tischen und nackten „Lap dance“ zwischen den Beinen eines erschrockenen jungen Mannes… kreischende Herrensitzung. 
"Ein bisschen Spaß muss sein", so der Chef. Dabei sah der erste Henkelsaal in Holthausen noch klassisches Theater und bis 1949 die ersten Sitzungen des neuen Landtages. 

Die Bezirksregierung erbte einen Puff

Ein anderes nobles Gebäude, das "Barockschloss" an der Cäcilienallee, seit 1909 Sitz des größten ehemals preußischen Regierungsbezirkes, erbte dieser Tage einen Puff. Die Mysterien der Erbschaftsgesetze wollen es, dass die Bezirksregierungen im Falle der Erbschaftsverweigerung solche Erbschaften annehmen müssen. 
Kurioser Besitz kommt da zusammen: eine Farm auf den Bahamas oder die Rechte am Karnevalslied "Wenn das Wasser im Rhein goldner Wein wär". 
Ist es aber nicht! Der Puff wurde verkauft, Vanessa von den Schmetterlingen ist nur eine Tänzerin und so bleiben die Regierungsleute ehrbare Bürger und der Henkelsaal das Haus der ehrbaren "Jonges"; Klatschmarsch und ein dreifaches Düsseldorf Helau!

Autor: Dieter Jäger | Redaktion: Bruno Reble | © www.geschichtswerkstatt-duesseldorf.de

Montag, 20. November 2017

Das Bahnhofsviertel wacht auf


Unser OB Thomas Geisel zeigte auf der Immobilienmesse Expo Real zwar das Viertel GRAND CENTRAL, aber er zeigte nicht den Worringer Platz, der gleich daneben liegt. Hätte auch alles kaputt gemacht. Er stapfte munter durch den Hauptbahnhof, Groschek war dabei, aber er ging nicht über den Mintropplatz; hätte wiederum alles kaputt gemacht.


Der Bahnhof ist ein schwieriges Viertel

Neulich war ich griechisch essen, mit Freunden am Bahnhof. Hätte nie geglaubt, dass man da gut essen kann. Kann man aber: griechisch und japanisch sowieso und chinesisch und indisch, amerikanisch, italienisch, türkisch.

Meine Freunde schwärmen vom Theater, nicht im Schauspielhaus, nicht im FFT (Forum Freies Theater) oder im Juta Seta, nein sie schwärmen vom Hauptbahnhof und vom Theater-Café im gläsernen Gang über der Worringer Straße. Sie reden vom Stadtarchiv, von der neuen VHS Bibliothek.


Träum ich?

Meine letzte Erinnerung war ein Film im schrecklichen MAXI Kino neben dem schrecklichen "Buttershaker", im Auto eine Stunde gefangen, ein Ungetüm von einem Parkhaus, wo auf einmal das Gitter hochging, 11 Uhr nachts. War ich ein Krimineller, ein Drogendealer?

Weitere Erinnerungen: eine Polin, die nach Hause wollte auf einem zugigen Bahnsteig mit riesigen Bussen überall, Abschied - Tränen - Taschentücher. Ich wagte nicht, weiter zu gehen auf eine grüne Insel, wo man todesmutig in die Unterwelt stieg, ein Tunnelsystem, das man schließen musste: Lebensgefahr.


Hier begann eine neue Epoche

Genau hier im Baumarkt begann das Musicalzeitalter. Operette war lange aus, Oper war zu schwierig; also ging man ins CAPITOL "Let the sunshine in": zum Schluss tanzten die schönen Frauen nackt auf der Bühne. Wahnsinn. Und in London fragten wir uns: "Durfte man da rein mit Mädchenklassen?“

Noch weiter zurück: mein täglicher Gang von der Helmholzstraße, Harkortstraße zum Bahnhof, zur Uni Köln. Wir wohnten "vor dem Bahndamm". Unser Balkon zeigte auf die Etablissements der Poensgenstraße. Ich überquerte den Mintropplatz "Goldene Hölle". Aber es war keine Hölle, was ich sah. Ich zweifelte an den Worten des Predigers in der "Freien Gemeinde" Bendemannstraße. Die Hölle schien mir das Paradies. Ich ging zum CVJM Graf Adolf Straße, weil es dort nicht nur christliche junge Männer gab, sondern auch die schönsten Mädchen. Und in der "Freien Gemeinde" gab es sie auch. Ich ging von einem Paradies zum anderen.

Das Bahnhofviertel wacht auf in diesen Tagen

"Let the sunshine in !"


Autor: Dieter Jäger | Redaktion: Bruno Reble | © www.geschichtswerkstatt-duesseldorf.de

Montag, 16. Oktober 2017

Aus Thyssen-Krupp wird TATA Steel "Tatü Tata!"


Immer wieder dieselben Bilder: Das Ruhrgebiet stirbt, die Industrie stirbt, die Riesen schwanken, wir sind am Ende einer Epoche. 200 Jahre Eisengeschichte, die unser Land groß machte. Das ist vorbei.
Düsseldorf ist stark mit der deutschen Eisenindustrie verbunden. Sie hat entscheidend den Wohlstand der Stadt mitbegründet. Ein kurzer Blick zurück:

Die erste Hütte

Die Krupps, holländische Protestanten, Weinhändler aus dem Moseltal, waren im 17. Jht. nach Essen gekommen und dort als Kaufleute wohlhabend geworden. 1805 schenkt die Witwe Helene Amalie ihrem Enkel Friedrich die Gute-Hoffnungs-Hütte, revidiert das Ganze schnell, weil Friedrich nicht mit Geld umgehen kann.
Es war neben "Antony" die erste Hütte im Ruhrgebiet, entstanden 1782 im Streit des Drei-Länder-Ecks (Preußen, Kur-Köln, Bistum Essen) um das Wasser des Elpbaches. Gefeuert wurde mit Holzkohle, das Eisen kam vom Rasenerz der Emscherwiesen, den Blasebalg betrieb der Bach.

Das erste Stahlwerk

Der entlassene Friedrich gründet immerhin 1811 die "Gußstahlfabrik Krupp" in Essen und damit den Mythos KRUPP. Gußstahl war, wie alles, in England erfunden und zwar 1740 vom Uhrmacher Huntsman (Tiegelofen). Krupp führt das Verfahren 70 Jahre später als erster in Deutschland ein.
Sohn Alfred, der berühmteste in der Kruppdynastie, baut 1852 die nahtlosen Eisenbahnreifen, die das Logo der Firma werden, er baut die größten Kanonen der Welt und die "Villa Hügel". Sohn Fritz hat beste Beziehungen zu Kaiser Wilhelm II. Schwiegersohn Gustav und dessen Sohn Alfried setzen die Kanonenschmiede fort. Einer landet im alliierten Gefängnis.
Erst Berthold Beitz setzt andere Akzente. Der "Wilde" Gerhard Cromme macht die erste "Feindliche Übernahme" 1992 (Hösch Dortmund), aber die Übernahme von Thyssen war 5 Jahre später ein zu harter Brocken. 1999 wird dann daraus eine freundliche Fusion "Thyssen Krupp"

Die Krupps halten sich bis 1999 aus Düsseldorf heraus

Bei Thyssen ist das anders. August Thyssen aus dem Kohleort Eschweiler/Eifel schluckt nach und nach alle Konkurrenten: die Piedboeufs, die Poensgen, zum Teil auch Mannesmann und Rheinmetall. Sohn Fritz wird schließlich Chef der VESTAG (Vereinigte Stahlwerke) mit Sitz in Düsseldorf.
Alle großen Namen der westdeutschen Eisenindustrie kommen aus drei Regionen: Siegerland, Eifel, Ruhrgebiet. Das Rheinische Schiefergebirge, in 300 Mill Jahren abgetragen bis auf den Rumpf, gibt das Eisen frei (Siegerland, Eifel/Schleiden). Absinkende Flachmeere lassen in Jahrmillionen die Steinkohle entstehen (Ruhrgebiet / Aachener Kessel / Eschweiler). Der PHÖNIX, eine belgisch deutsche Industriegruppe wird 1852 in Eschweiler gegründet. Hösch und Thyssen kommen aus Eschweiler. Beide orientieren sich später an Phönix (vertikale Struktur = alle Sparten in einer Hand).
Hösch geht nach Hörde Dortmund, Thyssen nach Mülheim, beides die besten Standorte: Ruhrmündung: Duisburg-Ruhrort, Oberhausen, Mülheim und Emskanal Dortmund. Der Phönix plant auch die einzige Hütte in Düsseldorf (Eintracht- / Kölnerstr.) an der Bergisch-Märkischen Eisenbahn.
Sitz für Thyssen: Düsseldorf, die Residenzstadt, die schon Mulvany begeistert hatte. Die Thyssenhäuser wurden zuerst noch als Phönix-Rheinrohr Häuser gebaut: Stummhaus von Bonatz 1925, Haus an der Roeberstr von Wach 1926 (später Arbeitsamt) und Dreischeibenhaus 1960 von Tamms: es wird das neue Wahrzeichen von Düsseldorf.
Die Piedboeufs aus der belgischen Eisenstadt Lüttich starten ebenfalls von Eschweiler aus, sie kannten Oberbilk von den Ziegelwallonen her, die schon im 18.Jht. die Ziegel für Düsseldorf gebrannt hatten.

Fressen oder gefressen werden

Albert Poensgen kommt aus der Eifeler Eisenstadt Schleiden. 1860 zieht er an die Bergisch-Märkischen Eisenbahn in Oberbilk (heute Suttnerplatz). Er schluckt Piedboeuf, wird aber selber von Rheinmetall und Mannesmann geschluckt, die langsam aus Düsseldorf Mitte nach Reisholz ziehen. Thyssen hat sie alle geschluckt, Sohn Fritz wird 1926 Chef der VESTAG, Europas größtem Montankonzern Sitz Düsseldorf.   Aus Phönix Rheinrohr wird das Thyssen Dreischeibenhaus.
1999 kommen die letzten Riesen zu ThyssenKrupp zusammen. 2000 erleben wir das Drama Vodafone / Mannesmann. 2010 zieht die Firma nach Essen, zurück zum Ursprung Krupp. Zwei sind also übrig geblieben: die gerissene Witwe Helene Amalia Krupp und der noch gerissenere August Thyssen.
Früher schlugen sich die Kontrahenten die Schädel ein, die Essener Fürst-Äbtissin schickte eine kleine Privatarmee gegen die preußische Gute-Hoffnungs-Hütte, die Preußen schlugen zurück.

Heute geht es gesitteter zu

Arbeitsplätze gehen verloren, die Städte Duisburg Bochum auch, der Sitz kommt aus Steuergründen nach Amsterdam.
Aber es geht gesittet zu und man kündigt es vorher an, damit wir uns darauf freuen können: Tatütata!

Autor: Dieter Jäger  |  Redaktion: Bruno Reble  |  © 2017 www.geschichtswerkstatt-duesseldorf.de

Donnerstag, 28. September 2017

Der Corneliusplatz erstrahlt in neuem Glanz

Herzstück Düsseldorfs von 1900 bis heute

Als 1801 die Mauer fiel, gemeint ist die Stadtmauer, da schuf Hofbaumeister Huschberger ab 1804 Wassergräben und Alleen. Auf der verwinkelten Trasse der Ostmauer entstand so die künftige Königsallee, anfangs Mittelallee genannt.

Das Wasser wurde an drei Stellen überbrückt: Ratinger Brücke im Norden, Elberfelder Brücke im Osten und Benrather Brücke im Süden. Die Brücken waren gleichzeitig Zolltore nach dem Muster der Pariser Zollmauer von 1783. Die in einem einfachen Bretterzaun liegenden Tore wurden nachts abgeschlossen. Der berühmte Triumphbogen, durch den Napoleon im November 1811 ritt, war das Elberfelder Tor.

Die Barriere d´ Elberfeld führte auf den Kälbermarkt, hier war das Ende des Flinger Steinwegs (heute Schadowstr). 1811 entsteht der Boulevard Napoleon (Heineallee), der an der Flinger Bastion endete. 1803 werden die Kasernen abgerissen. Der kleine östliche Weg wird 1807 verbreitert und "Breite Straße" genannt. Als Breidenbach an diesem Boulevard 1812 sein Hotel eröffnet, gibt es keinen Zugang zur Flingerstraße, keinen Zugang zur Kö. Stattdessen plärren 500 Pänz vom "Kasten", dem königlichen Gymnasium (ab 1831) direkt vor seiner Tür.

1869 bekommt der Kälbermarkt die Schadowbüste und den Namen Schadowplatz. Jetzt erinnert man sich an den großen Vorgänger Cornelius, von 1819 bis 1824 erster Direktor der Düsseldorfer Kunstakademie. 1872 gibt man ihm eine Straße und erwägt am Ende der Kö ein Denkmal.1879 wird es aufgestellt, der kleine namenlose Platz wird zum Corneliusplatz.

Seit 1902 steht daneben das berüchtigte Parkhotel, in dem Adolf Hitler 1932 von der deutschen Großindustrie hofiert wird. Um Platz für Aufmärsche vor ihrem Lieblingshotel zu haben, verschieben die Nazis das Denkmal 30m nördlich in den Wald.

1880 wird der kleine Corneliusplatz durch Zuschütten des Kögrabens zum heutigen Zentrum von Düsseldorf und bekommt den Schalenbrunnen (Leo Müsch) und 1902 den Tritonenbrunnen (Fritz Coubillier). 1909 formt der Jugendstil-Meister Josef Maria Olbrich Düsseldorfs größtes Juwel: den Kaufhof.

Der Platz mit seinen Droschken, Pferdebahnen, Elektrischen, Autos und berühmten Kaufhäusern wird eine Art "Potsdamer Platz". Längst hat das Parkhotel die Adresse Königsallee 1a.

Cornelius war vergessen

Aber sein Denkmal ist voller Überraschungen. Frauengestalten beherrschen die Szenen. Die Religion ist noch verhüllt, auch Italia und Germania sind sittsam gekleidet. Dann aber: Dr. Faustus wird von der schönen Helena verführt, der männliche Genius enthüllt die fruchtbare Natura, die wunderschöne nackte Poesia singt sirenengleich zur Lyra.

Cornelius war zwar ein frommer Mann mit langem Haar wie der "Nazarener"(so nannte sich sein Malerclub). Aber er heiratete sinnliche Italienerinnen. Ein Zeitgenosse über seine dritte Frau: "Nie sah ich einen schöneren Oberleib".

Autor: Dieter Jaeger  |   Redaktion: Bruno Reble   |   © geschichtswerkstatt-duesseldorf.de
Weiterführende Links: wikipedia.org/wiki/Peter_von_Cornelius  / wikipedia.org/wiki/Peter-von-Cornelius-Denkmal

Montag, 21. August 2017

Wem gehört die Stadt?


Nachlese zum Urban Art Festival auf dem KAMPER ACKER



Wer über die Kölner Landstraße in den Kamper Acker fährt, fühlt sich wie in einer Arena: eine große freie Fläche, eingerahmt von den Häusern von Holthausen. Das ist ein idealer Rahmen für Straßenkunst oder Street-Art (wie es im Jargon heißt) und im August 2017 den Stadtteil belebt. Holthausen braucht so etwas. Die Klagen über Drogen, Dealer, Prostitution werden immer lauter.

Wer tiefer gräbt, hört vom Rückhaltebecken für Regen, ein Becken? Ja, so sieht es aus. Tatsächlich war der "Kamper Acker" einst ein großer See: der "Lange Weiher". Von Holthausen sprach keiner. Der See wurde zum eingezäunten Feld, einem "Kamp".

Aber wo zum Teufel ist das Wasser?

Wo ist der "Lange Weiher"? Einfach verschwunden, versickert? Gibt es so was? Nein, natürlich nicht, wir sind hier nicht im Land der Tropfsteinhöhlen. Der "Lange Weiher" verschwand durch fürstlichen Befehl.

Der Vater Jan Wellems, Philippe Wilhelm baute 1661 das alte Schloss Benrath als "Morgengabe" für seine mit 16 Kindern geplagte Ehefrau Elisabeth. 100 Jahre später baute Carl Theodor wieder für eine Ehefrau Elisabeth (sie war von Lüsten geplagt) das neue Schloss Benrath. Es waren Wasserschlösser. Die Herren brauchten Wasser, viel Wasser.

Aus der Itter wurde der im Schweiß der Hand und Spanndienste gebaute kerzengerade Benrather "Schweißgraben". Die übrige Itter wurde trocken gelegt. Sollen die Bauern vom Kappeler Hof, von Niederheid, Holthausen, Itter und Himmelgeist doch sehen, wie sie klarkommen.

So ist es bis heute geblieben. Die stolze Itter, die all diese Orte hervorgebracht hat, gibt es nicht mehr. Sie mündete in Itter (wo denn sonst), später in Himmelgeist in den Rhein. Am Berg von Holthausen staute sie sich zum "Langen Weiher", der heute "Kamper Acker" heißt.

Kunst am Kamper Acker ?


Ja, und Erinnerung an einen großen Fluss.

Autor: Dieter Jäger  |  Redaktion: Bruno Reble  |  © www.geschichtswerkstatt-duesseldorf.de

Donnerstag, 27. Juli 2017

Bilk hat wieder eine Tränke für Pferde

16.Mai 2017: Viele waren gekommen aus Politik und Bilker Szene. Doch der Held des Tages heißt Jürgen Striewe. Der Bilker Jong aus der Bachstr.154 hatte in unermüdlicher sechsjähriger „Wühlarbeit“ für die Wiederherstellung der Tränke „gekämpft“. Jetzt war es soweit. Jürgen Striewe zieht an der weißen Leine: Das neue Straßenschild heißt:

Bilker Pferdetränke

Stadtobere in schwarzen Anzügen schwitzen, Pferde wiehern, Sektgläser blitzen in der strahlenden Sonne. Trotz der sommerlichen Hitze von 26 Grad hatte Rosa, das schwarze Prachtpferd der Bilker Schützen, keinen Durst. Dann mit ein paar Lekkerli ein kleiner Stubser ins Wasser: Jubel der über 70 Anwesenden.

„Die hat ihren eigenen Kopf !“… sagte der Reiter

Kopf und Herz hatte auch Jürgen Striewe, denn er gab nicht auf. Politiker, Vereinspräsidenten, Bauhofverwalter, sie alle wurden ihn nicht mehr los. Hauptsponsor der Tränke sind die Bilker Schützen. Sie übernehmen die Patenschaft.
Die Pferdetränke steht an einer der ältesten Straßenkreuzungen Düsseldorfs: Die Friedrichstraße ist der wichtigste Südeingang der Stadt. Der hohe Besuch – von Süden kommend - scheute früher die gefährlichen Windungen des Rheins und stieg lieber schon in Himmelgeist aus, um auf dem Landweg über Himmelgeister-, Brunnenstraße zum Schloss in der Altstadt zu gelangen.
Im 19.Jht entstand an dieser Stelle ein Industriekomplex, etwas weiter die Papierfabrik WOESTE. 1890 schuf Stadtplaner Stübben mit dem Hauptbahnhof  auch den Bilker Bahnhof. Im 1.Weltkrieg starteten hier die Soldatenzüge an die Westfront: zurück kamen die Verwundeten für das alte Husarenlazarett an der Färber Str.
Ein Überbleibsel des historischen Bahnhofs wurde jetzt wiederhergestellt: die alte Pferdetränke. Sie diente den Pferden, die weiter die Rampe zum Bilker Güterbahnhof heraufmussten, als Rastplatz und Trinkplatz. Versorgt wurden außerdem die Vierbeiner der alten Pferdebahn. 1876 fuhr eine ihrer ersten Strecken von hier zur FLORA nebenan.

Vornehm geht die Welt zugrunde

Jetzt gibt es wieder einen geschichtlichen Bezug für den Platz zwischen Bahnhof und Einkaufszentrum. Dieser öde Konsumtempel sollte ursprünglich mal „Bilker Arcaden“ heißen. Das war den Marketing Experten aber nicht weltstädtisch genug. Also entschied man sich 2008 für die vornehmere Bezeichnung „Düsseldorf Arcaden“.
Und die Adresse? Neuerdings vielleicht „Bilker Pferdetränke"?
Nein weit gefehlt: Die postalische Anschrift lautet auch weiterhin „Friedrichstr.133“!
--------------------------------------------------------------------------------------------------------
Autor: Dieter Jäger  |  Redaktion: Bruno Reble  |  © www.geschichtswerkstatt-duesseldorf.de